366 gedanken

Montag, 9. Januar 2017

eigentlich hatte ich das hier gar nicht vor, aber es scheint mir doch eine gute idee, das vergangene jahr für mich revue passieren zu lassen...
zweitausenundsechzehn war vor allem das jahr meines ersten und auch meines zweiten tattoos. ich bin nach wie vor stolz auf mich, dass ich den stritt endlich gewagt habe, nachdem ich ja schon seit jahren für farbe unter der haut schwärmte. zum glück haben sich meine vorstellungen und wünsche davon über die jahre verändert, denn meine ersten ideen habe ich definitiv wieder verworfen und mir über tiefsinnigere dinge gedanken gemacht. ewig überlegte ich hin und her, suchte nach alternativen, da mein tätowierer vom ursprünglichen plan abriet. probleme, die wahrscheinlich nur zierliche menschen mit zu kurzen und schmalen gliedmaßen kennen. ganzkörper auf unterarm? vergiss es. die entscheidende idee kam mir dann ganz unerwartet beim abendessen. manchmal ist es wirklich besser, die dinge gedanklich loszulassen. von dem moment der erleuchtung an konnte ich es kaum abwarten, meinem tätowierer davon zu erzählen und nach seiner meinung zu fragen. und wie das schicksal es so will- mittlerweile trage ich eine liebeserklärung an die stärkste, schönste und liebevollste frau auf meinem linken unterarm. 
was andere davon denken? ist mir sowas von schnurtzpiepegal. an dieser stelle eine homage an jennifer rostock: ich glaube nicht, dass mein körper deine sache ist
genau in diesem ton ist für mich ein weiterer meilensteil dieses jahr in sachen musikliebe und weltbewusstsein. viele kommentierten leider kritisch bis negativ, dass es nicht mehr die selbe band sei. für mich absoluter bullshit. ich befürworte es, dass man sich als musikgruppe, die nicht nur leidenschaft, sondern auch politische meinung aktiv und freundschaft teilt, weiterentwickelt und aktuelle themen auch explizit anspricht. schließlich bewegt kunst. und da musik kunst ist, macht sie was in den köpfen und im körper der menschen. man kann mit ihr ein so umfangreiches publikum ansprechen und erreichen. das schöne ist doch, dass uns nicht nur der rhythmus gefällt, sondern dass im besten fall unglaublich viel gefühl und bewusstsein transportiert und denkanstöße gegeben werden. in diesem sinne nochmal danke dafür, jennifer rostock. 
was mein öffentlichkeits- und weltbewusstsein angeht, bin ich seit 2016 endgültig erschüttert. kann mir bitte einer erklären, wo diese enorme dummheit auf einmal herkommt? sicher, diese menschen dachten insgeheim schon immer anders (oder gar nicht) und wie ich finde, menschenunwürdig. aber spätestens seit 2015 kann man sich vor hetze, hass und inhaltlosem, unreflektiertem gerede gar nicht mehr retten. es wird mir einfach nicht begreiflich, wie man vor krieg fliehenden menschen nicht helfen will, sie stattdessen unter aller sau beschimpft, ihre bleibe anzündet und ihnen somit  jegliches gefühl von geborgenheit und den letzten funken hoffnung und sicherheit nimmt. schämt euch bis ins mark, ihr widerlichen kreaturen. denn von mensch-sein kann hier nicht mehr die rede sein. es ist so furchtbar erschütternd, dass in diesen zeiten menschen in den hier zu lande mächtigsten positionen raum und futter gegeben wird, um allerhand fremdenhass zu schüren. leider sind auch andere länder keine lichtblicke am friedenshorizont. ein orangefarbener idiot, der eine mauer errichten will, wird von afd befürwortet und unterstützt. wo man sich erneut fragt: habt ihr denn überhaupt nichts begriffen? als hätte erster und zweiter weltkrieg, sowie ein geteiltes deutschland nie existiert. politisch gesehen war dieses jahr, egal in welche himmelsrichtung man blickte, ein bewusstseinloses, zu dem mir nicht mehr einfällt als kopfschütteln und hände vor dem kopf zusammen schlagen.
leider bin ich nicht in dem glauben, dass sich im neuen jahr beziehungsweise in naher zukunft alles zum guten wenden wird. umso wichtiger also, dass wir als einzelne, auch wenn wir denken, dass wir so nichts ausrichten können, eben doch versuchen die einzige welt die wir haben (!!!) respektvoll zu behandeln und damit auch all den wesen, die zusammmen (!) mit uns diesen planeten teilen würdevoll gegenüberzutreten, zu helfen, wenn sie in not sind und verdammt nochmal ein bewusstsein für menschlichkeit und toleranz zu entwickeln. denn wenn wir aufhören zu denken, dass wir als einzelne nichts verändern können und stattdessen einfach mal machen, sind wir am ende doch ganz schön viele. 
aber natürlich sollte man dabei die eigene persönlichkeit nicht vergessen, denn nur wenn man mit sich im reinen ist oder zumindest eine meinung hat, kann man sich anderen dingen  gewissenhaft widmen. in diesem sinne kann ich durchaus behaupten, dass vergangenes jahr, abgesehen von all dem eben genannten (sofern man das überhaupt unbeachtet lassen kann), ein gutes für mich war. sowohl die uni betreffend als auch mein privates umfeld. wie ich in dem post zusammen schon einmal davon geschrieben habe, bin ich meinen eltern endlich wieder näher gekommen. und zwar durch räumlichen abstand. seitdem ich ausgezogen bin, verstehen wir uns besser als je zuvor. vielleicht mag das im ersten moment etwas verwirrend klingen, da man denken könne ja klar, wer sich nicht sieht, streitet sich nicht. und ja, da ist sehr wohl was dran, aber das meine ich nicht. unsere familiengeschichte sei euch an dieser stelle erspart, aber was ich im kern sagen will, ist, dass ein kind nur erwachsen wird, indem es sich ein stückweit lossagt, von altem (deshalb jedoch nicht weniger schönem), von vertrautem und sich traut. lokal gesehen weg geht und somit erst einen schritt auf sich und dann einen zweiten auf das zurückgelassene zugeht. diese örtliche distanz bringt ganz selbstverständlich vermissen mit sich. aber vor allem auch schätzen und dankbarkeit. ich kann nur immer und immer wieder sagen, dass ich meinen eltern unheimlich dankbar für all das, was sie für mich und auch für das, was sie nicht für mich getan haben, bin. ich finde, auch letzteres ist wichtig. denn letztlich haben wir als einzelne auch ein eigenes leben, in welchem es momente gibt, die nur wir allein ausrichten, lenken und entscheiden können. und eben, dass ich mir über sowas im klaren bin, verdanke ich meinen eltern. ich bin ein selbstständiges, junges mädchen, dass studiert und nebenbei arbeitet, damit ich ihnen nicht gänzlich auf der tasche liege. wobei materielle unterstützung für mich eigenständigkeit nicht in frage stellt. und klar hab ich ängste, sorgen und trage hin und wieder traurigkeit in mir, aber ich lerne, damit umzugehen und falls ich mich doch mal gänzlich in mir verliere und zusammenfalle, weiß ich, wen ich bedenken- und schamlos anrufen kann. und weil wir gerade von liebe und glück reden, denn genau so buchstabiere ich mama und papa, will ich natürlich auch die anderen mir wichtigen menschen nennen. meine zwei besten freundinnen und auch meinen herrn fuchs. meine riesige familie, ob blut oder nicht, es macht für mich keinen unterschied mehr. wenn du merkst, dass du jederzeit willkommen bist, sich absolut nichts verändert hat nach all den jahren, dann fühlst du dich geborgen und für immer angekommen und genau so buchstabiere ich familie
während ich all diese zeilen hier schreibe, habe ich ein zufriedenes lächeln auf den lippen. was wohl auch dem song auf meinen ohren geschuldet sei. ich spreche von just another day von lady gagas neuem album joanne. seit der ersten stunde fan davon, weil es so viel dynamik, melancholie und positives bewusstsein hat. danke dafür! und im selben und letzten atemzug dieses blogposts möchte ich das gleiche noch an folgende künstler ausprechen und sie damit zu guter letzt euch ans herz legen: maeckes, von wegen lisbeth, annenmaykantereit, ok kid, beginner, coldplay bastille und daughter- die bands meines jahres 2016.

Kommentare:

  1. Anonym21:01

    Toller Text, sehr schön geschrieben! Aprospos: ich schreib dir auch wieder. Versprochen! Kuss und Inselsonnengrüße!

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    1. danke liebste inselfreundin :) ich freu mich drauf!

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  2. Anonym21:03

    Okay, vorher googlen. *Apropos (Ich lasse Fehler nicht gerne stehen, haha)

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